Das Froschteich-Axiom
Warum uns typische HiFi-Messungen die Realität verschweigen
Heute Nacht.
Fenster offen.
Etwa 70 Meter entfernt:
ein Froschteich.
Ich höre nicht einfach Frösche.
Ich höre das
zeitliche und räumliche Zueinander
sehr vieler quakender Frösche zugleich.
Nicht jeweils isolierten Klang.
Keine Einzelquelle.
Nicht einen einzelnen Kanal.
Sondern ein lebendiges,
multiples,
mehrquelliges Ereignisgeschehen.
Ich nehme das Ereignis völlig problemlos wahr.
Ohne Anstrengung.
Vollkommen intuitiv.
Und für dieses Erlebnis
erscheint es mir nebensächlich,
ob diese Frösche
20 % kleinere
oder 150 % größere Körper hätten —
sprich:
ob sich Tonalitäten verschieben - geschenkt.
Das Entscheidende
ist das Zueinander:
das präzise Zeit-Raum-Gefüge
des Gesamtereignisses.
Homo sapiens hört nicht in Mono.
Nie.
Er hört 24/7 zweiohrig.
Wir verarbeiten permanent
Räume,
Laufzeiten,
Differenzen,
Verteilungen,
das Zueinander.
Unser Gehör ist kein statisches Messmikrofon.
Es ist ein hochkomplexer Beziehungsrechner.
Warum mir typische HiFi-Mono-Betrachtungen
als weit unangemessen aussagekräftig erscheinen
die Problematik vieler typischer HiFi-Betrachtungen.
Denn sie erfolgen einohrig:
Beurteilungen beginnen
kanalweise.
Das ist typisch monoartig.
Ein einzelnes Messmikrofon
kennt kein zweites Ohr.
Es registriert Pegel,
Frequenzen,
Impulse.
Aber das reale Homo-sapiens-Hören verarbeitet
24/7
mit zwei Ohren
ein räumliches,
mehrquelliges Ereignisfeld.
Und genau deshalb fällt es mir schwer,
typisch monoartige Betrachtungen
als vollständigen Maßstab
realen Hörens ernst zu nehmen.
Der Maßstab
Es geht mir nicht darum,
Messungen abzuschaffen.
Es geht mir um den Maßstab.
Wenn eine Wiedergabekette
feine Zeit- und Phasenbeziehungen
nicht ausreichend erhält,
wird das Ereignisgefüge
für unser Wahrnehmungssystem
an Selbstverständlichkeit verlieren.
Das Hören wird anstrengender.
Wenn dagegen ein echter Froschteich
aus etwa 70 Metern Entfernung
vollkommen selbstverständlich,
lebendig
und räumlich plausibel erfahrbar bleibt,
dann ist das zweite Ohr
für mich keine Nebensache.
Sondern als fundamentaler Bestandteil dessen,
was wir überhaupt
als das Echt erleben.
Der reale Homo sapiens
hört 24/7
nicht in Mono.
Die Vermarktung von HiFi
tut nur regelmäßig so.
Und erstaunlich viele Denkfaule glauben das auch noch.
Egal
Und weiter für Zweiohrige:
Warum Zeitwahrnehmung über echtes Hören entscheidet