60 Jahre HiFi bis High End – Rückblick und Fazit
Zusammenfassung einer Dokumentation von Jürgen,
alias J. M. M. – aus dem Analog-Forum.
Ein Vorwort für die Neunmalklugen
„Im Alter hört man sowieso nicht mehr richtig.“
Dazu ein kurzer evolutionsbiologischer Hinweis:
Unwichtige Töne hören wir im Alter tatsächlich schlechter.
Aber die überlebenswichtige Fähigkeit, unsere Umgebungsräume
über Schallimpulse mit dem Gehör korrekt zu erkennen,
die funktioniert selbst noch jenseits der 100.
Intuitiv.
Und wer das nicht begreift, der ist auch nicht „egal“ –
sondern der Segen für den HiFi-Handel.
Jürgens Weg – Die frühen Jahre
Fundament & Neugier
- Anfang 1960er
Start mit der Design-Ikone Braun (Rams-Design):
CSV 13, CET 15 und PC 5.
- Erstes Tuning
Einbau eines SME 3009R in den Braun PC 5 –
die Geburtsstunde der Modifikations-Leidenschaft.
- 1970er Jahre
Wechsel auf Thorens TD 126 MK III
und erste Dynaudio Compound 5 (Eigenbau).
- 1978 – München
Upgrade auf Thorens TD 520 mit SME 3012R
und einem audiophilen Röhrenverstärker (Triode).
Die analoge Reife: Mechanik entscheidet
Die SPU-Ära & Resonanz-Forschung:
Begegnung mit Per Windfeld und Wechsel
auf Ortofon SPU Royal-N. Der Thorens 520 wird massiv mit RDC-Produkten
(Boden, Lager, Brett) aufgerüstet.
Die Lager-Revolution Erkenntnis:
Die serienmäßigen SME-Plastiklager sind limitierend. Umbau auf handgeschärfte
Stahlschneiden und präzisierte Gegenlager. Experten-Beweis: Überarbeitung von
8–10 SME-Armen für das Forums-Unikat Tom Schmitz. Sein Urteil: deutlich mehr Auflösung,
mehr Bass-Substanz und höhere Stabilität.
Referenz & Feinschliff: Der Weg zum Optimum
Hardware-Evolution Wechsel auf das Amazon-Audio Reference Laufwerk und Audiophil Diva Lautsprecher. Optimierung durch Antispikes (Kühn), Finite-Elemente-Spider-Rack und Ceraballs zur gezielten Ankopplung.
Vom Tonarm zum Elektronik-Finale Triplanar (Verkabelung: Willi Bauer) → später Rigid Float CB. In der Kette: Burmester 101 und eine stark modifizierte Rike Audio Natalija (Mundorf / Furutech / Sylvania).
April 2023: Unsere erste Begegnung
Als Naturalix schicke ich Jürgen nach freundlichem Schriftwechsel meine erste Version eines auf die Resonanzfrequenz anpassbaren Tonarm-Gegengewichts zum Test beim Münchner Stammtisch.
👉 Begeisterung auf ganzer Linie.
Jürgen nimmt die Herausforderung an und entwickelt sein eigenes Gegengewicht:
RDC-Material mit Bleischrot-Füllung. Das Duell auf höchstem Niveau zeigt allen Anwesenden:
Am Gegengewicht verpassen die Hersteller serienmäßig die größte Gelegenheit –
das Potenzial zu verbessern.
Der Kampf um die Zeitrichtigkeit
Natürlich muss Naturalix das auch selbst hören. Jürgen lädt mich ein – und ich muss anerkennen:
Sein Bleischrot-RDC-Gegengewicht spielt besser als meine damalige Kompressions-Variante.
Ich nutze Jürgens Prinzip bei meinem DIY-LW noch lange, bis ich auf ein Gegengewicht nach dem TMD-Prinzip (Tuned Mass Damper) umsteige:
- Invertierte Kernmasse (Stahlrohr-Abschnitt).
- Frei beweglich, ruhend auf einem elastomeren Punkt.
Für Jürgen ist das nichts. Zu serviceanfällig. Mir macht die Justage der Auflagekraft
nichts aus, die mein rudimentärer Umgang mit schwimmendem 16-Zoll einfach
häufiger nötig macht. Und es klingt im Vergleich zum früheren RDC-Bleischrot-GG
einfach noch souveräner.
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Das Paradoxon des Rigid Float:
Warum das Gegengewicht die wahre Bremse ist.
Wir beide – Jürgen und ich – können es bis heute nicht begreifen: Da baut man einen der
innovativsten Tonarme der Welt, den Rigid Float, eliminiert durch die Öllagerung konsequent
jede Lagerreibung und erreicht eine traumhafte Direktheit in der Impulswiedergabe.
Und dann? Dann wird dieser Arm serienmäßig mit einem starren, angekoppelten Gegengewicht ausgeliefert.
Vielleicht liegt es daran, dass der Rigid Float konstruktionsbedingt jeden herkömmlichen
(nicht schwimmenden) Tonarm ohnehin schon deklassiert und man im Werk die Notwendigkeit nicht sah.
Doch wer einmal ein entkoppeltes Gegengewicht oder eine TMD-Lösung an diesem Arm gehört hat, weiß:
Das Potenzial des Rigid Float verdoppelt sich.
Ohne die Entkopplung am Heck schlagen Resonanzen und Reflexionen ungehindert auf das Nadelöhr
zurück und fressen genau die zeitliche Kohärenz, die das Ölbad-Lager mühsam gerettet hat. Erst wenn das Gegengewicht mechanisch „aus dem Spiel“ genommen wird, entfaltet der RF seine volle Magie.
Der Raum wird nicht nur größer, er wird absolut stabil und richtig.
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Die radikale Entkopplung: Zeitrettung im Detail
Jede Zeitrettung beginnt mit radikaler Entkopplung –
also mit einer extrem weichen, leicht beweglichen Aufstellung.
Amazon-LW-Tuning: Einsatz von 3D-funktionalen Entkopplungs-Füßen, die Vibrationen
in alle Richtungen aufnehmen und Schwingungsenergie effizient in Wärme dissipieren.
Phono-Evolution: Die Rike Natalija erhielt ebenfalls 3D-Füße und wurde später an nachgiebigen
Stahlfedern weich aufgehängt. Durch die höhere Beweglichkeit der Lagerung wird Energie schneller
abgeführt. Eine elastomere zentrale Abstützung entlastet die Federn und erhöht die Beweglichkeit
gegen die Schwerkraft (nach oben), sodass die Energiedissipation der 3D-Füße früher einsetzt.
Das 7-kg-Experiment & Grounding
Der Burmester 101 wurde mit einem TMD (Tuned Mass Damper) mit 7 kg Kernmasse versehen,
direkt über dem Trafo platziert. Was für Jürgen zuerst noch ungewohnt ruhig wirkte, entpuppte
sich als musikalische Wahrheit.
Der Durchbruch durch externes Grounding:
Je eine Grounding-Box pro Gerät: mehr Ruhe, mehr Dynamik, mehr Ordnung.
Das Finale:
Pakete ab der Quelle Fest verklemmte TMD-Boxen kombiniert mit Grounding-Boxen,
als "Pakete" direkt am Ortofon Windfeld Ti (0,2 mV MC) und am Hashimoto SUT –
direkt an den Cinch-Buchsen-Massen.
Das Ziel ist: Die Ursachen parasitärer Spannungen und mechanischer Schwingungen
schon frühestmöglich zu neutralisieren – durch die ganze Kette hindurch bis zu den Membranen.
Nur so bleibt die zeitliche Kohärenz der Aufnahme vollständig erhalten.
Jürgens Fazit heute nach 60 Jahren HiFi
„Lege ich eine Platte auf, öffnet sich erst einmal ein großer, in Tiefe nie gehörter Raum.
Es wird oft über Timing gesprochen – hier ist es plötzlich da: Zeitrichtigkeit.
Man fühlt sich im Aufnahme anwesend. Jetzt holt man sich die Zeit der Aufnahme zurück.
Druckvoll kommt der Steinway. Stimmen stehen realistisch und in natürlicher Größe im Raum.
Das ist jetzt wirklich High End.“
Mein persönliches Nachwort
Die Besuche bei Jürgen in München waren immer inspirierend.
Ich habe ihn etwa ein Dutzend Mal besucht – und jedes Mal gewann
seine Anlage Zeitrichtigkeit hinzu. Sein Wissen über die Szene und Musik, speziell Jazz
ist so umfassend, dass ich mich daneben regelmäßig unwissend fühlte.
Der Hörfrust, den ich zwischen den Besuchen zu Hause empfand, war kein Zufall.
Ich war ja selbst dafür verantwortlich, hatte Jürgens Anlage stetig verbessert und
kannte jede Maßnahme.
Und genau deshalb hörte ich zu Hause sofort, was mir noch fehlte.
Erst als ich die Maßbahmen als TMD-Grounding-Pakete näher an die Quelle brachte,
wendete sich das Blatt.
Heute sind wir beide zutiefst zufrieden.
Der Kern der Sache, bei HiFi:
Im 24/7-Leben hören wir intuitiv Entfernungen.
HiFi verkauft uns dasselbe Ereignis – als leiser, intuitiv falsch.