HÖREN ist für Homo sapiens
reine DATENERHEBUNG.
Und die verzeiht keine Fehler.
Natürlich hören wir lieber ein Kätzchen
als einen Säbelzahntiger.
Wenn unsere Ohren uns aber ein schmackhaftes Reh ankündigen –
und um die Ecke biegt die Raubkatze,
war’s das gewesen.
Gefallen darf uns das Gehörte später.
Zuerst muss das Gehirn wissen:
WAS passiert da wirklich?
Und vor allem: WANN?
„Habe Mut,
dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Immanuel Kant
Bei einer Datenerhebung
kann es nie um persönlichen Geschmack gehen.
Das wäre wie eine Zapfsäule,
die uns einen halben Liter Benzin
als vollen Liter abrechnet.
Das gefällt dem Autofahrer weniger –
als dem Betreiber.
Noch komplizierter wird es,
wenn die Zahlen auf dem Bon zwar stimmen würden –
aber durch eine klemmende Kassenrolle
mehrfach übereinander gedruckt sind.
Schlicht unlesbar.
Denn richtige Daten nützen gar nichts,
wenn sie nicht mehr auswertbar sind,
weil die ZEIT klemmte.
Auch wer ein Gelände vermisst,
um Entfernungen, Positionen und Bewegungen zu bestimmen,
braucht präzise Daten.
Und ihre exakte zeitliche Zuordnung.
Was hat das mit HiFi zu tun?
NICHTS.
Und was bedeutet es für WIEDER_gabe?
ALLES!
Denn unsere Ohren empfangen Schall.
Und das Gehirn rechnet daraus in Mikrosekunden:
WO und WANN passieren Ereignisse?
Denn Homo sapiens hört immer
die Vergangenheit realer Räume.
Rund um die Uhr. Ein Leben lang.
ECHT hat nichts mit SCHÖN zu tun.
Eine Geigenschülerin spielt schließlich nicht UNECHTER,
bloß weil sie nicht Helge Schneider ist.
Und ausgerechnet die Branche,
deren Aufgabe schlichte WIEDER_gabe wäre,
verkauft uns stattdessen:
„wärmeren Schmelz“,
„musikalischen Wohlklang“,
Marken und dicke Frontplatten.
Betrug?
Nein, Betrug setzt Vorsatz voraus.
Dazu müsste ein Beschuldigter zuerst verstehen,
wie das Gehör wirklich arbeitet –
und wozu.
So bleibt es:
– bei einer Zapfsäule, die falsche Zahlen liefert.
– Einem Kassenzettel, der nicht zu lesen ist.
– Und einem glänzenden Geschäft.